Bundesforschungsprojekt „econnect Germany“ erfolgreich abgeschlossen

Nach drei Jahren gemeinsamer Forschungsarbeit ist das Projekt „econnect Germany“, Leuchtturm im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Programms „IKT für Elektromobilität II“, erfolgreich abgeschlossen. Bei einer Pressekonferenz stellten Vertreter des Ministeriums sowie der Konsortialpartner die zentralen Ergebnisse vor und gaben einen Ausblick auf die Zukunft der Elektromobilität.

Direkt zum Abschlussfilm von econnect Germany.

Berlin. – In „econnect Germany“ haben sich an sieben Standorten in ganz Deutschland Stadtwerke mit 15 Partnern aus Industrie und Forschung zusammengeschlossen. Ihr Thema: die Integration der Elektromobilität in intelligente Stromnetze und in den vernetzten Verkehr mit Hilfe der Informations- und Kommunikationstechnik. Sieben so genannte Hubs forschten in Aachen, im Allgäu, in Duisburg, Osnabrück und Trier sowie in Leipzig und auf Sylt. Die Konsortialführung hatte die smartlab Innovationsgesellschaft inne, eine Tochter der Stadtwerke Aachen, Duisburg und Osnabrück.

Bei einem presseöffentlichen Fachgespräch am 5. Februar hob Gastgeberin Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), die Bedeutung des Projekts hervor: „Die Elektromobilität bietet als Baustein der Energiewende für Stadtwerke in Deutschland neue Chancen. Ich freue mich, dass die Forschungspartner von ,econnect Germany‘ mit ihren anwendungsnahen Lösungen wichtige Pionierarbeit geleistet haben. Sie haben gezeigt, dass Elektromobilität in Energieversorgungssysteme und moderne Mobilitätskonzepte integriert werden kann. Dies eröffnet Stadtwerken neue Perspektiven – über die Lieferung von Strom, Gas und Wasser hinaus.“

Anschließend stellte Hauke Hinrichs, Technischer Leiter der smartlab und Konsortialführer für „econnect Germany“, das Gesamtprojekt kurz vor. „Das Herausragende an diesem Projekt war zum einen die konstruktive Zusammenarbeit und die enge Vernetzung über sieben Standorte hinweg. Zum anderen stand die Entwicklung praxisnaher Anwendungen im Fokus, die Leuchtturmcharakter für den jeweiligen Bereich hatten“, stellte Hinrichs heraus. Ob der Hybridtraktor im Allgäu, das Parkhaus der Zukunft in Trier oder der elektromobil vernetzte ÖPNV in Osnabrück – die Ergebnisse wiesen den Weg in die Zukunft der Elektromobilität. Besonders freute Hinrichs, dass das Forschungsprojekt sich sogar über die deutschen Grenzen hinaus entwickelt hat: „Im Dreiländereck Aachen haben wir im Rahmen von ‚econnect Germany‘ gemeinsam mit den Mit-Initiatoren aus den Niederlanden e-clearing.net entwickelt, eine internationale Datendreh­scheibe für Elektromobilität. Damit ermöglichen wir grenzüberschreitende Interoperabilität beim Laden von Elektrofahrzeugen.“

Für die sieben beteiligten Stadtwerke, die in den jeweiligen Hubs die führende Rolle innehatten, sprach zum einen stellvertretend Dr. Christian Becker, Vorstand der STAWAG (Stadtwerke Aachen AG). Er beschrieb anhand von Beispielen aus den verschiedenen Hubs, wie daran geforscht wurde, die Elektromobilität mittels IKT intelligent in die Stromnetze zu integrieren: „Wir haben uns im Projekt an mehreren Standorten und mit unterschiedlichen Fragestellungen mit Smart Grids und Smart Home auseinandergesetzt. Ob in Trier mit dem Parkhaus der Zukunft, in dem die Ladestationen und eine große Batterie über ein Energiemanagement­system je nach Angebot mit Ökostrom aus der Region gespeist wurden. Oder in Duisburg, wo ein Elektrobetrieb mit intelligenter Ladeinfrastruktur und Elektroautos ausgestattet wurde. Und nicht zuletzt bei uns in Aachen, wo wir an Smart-Home-Anwendungen und Demand Side Management geforscht haben.“ Das Fazit von Becker lautete: „IKT-gestützte Steuerungsmechanismen werden für unsere Branche künftig eine immer größere Bedeutung haben, um die zunehmende Flexibilität in verschiedenen Bereichen zu nutzen – nicht nur in Bezug auf die Elektromobilität. Deshalb sind solche Forschungsprojekte für uns Stadtwerke unerlässlich, um frühzeitig auf neue Technologien setzen zu können und damit für die Zukunft gewappnet zu sein“.

Michael Lucke, Geschäftsführer der Allgäuer Überlandwerk GmbH (AÜW), betonte die immer wichtigere Rolle, die eine intelligente Vernetzung verschiedener Komponenten im Bereich Smart Facility für eine erfolgreiche Energiewende spielt. „Das Allgäuer Projektteam hat für den Einsatz der Elektromobilität in einem Studentenwohnheim ein Energiemanagement­system entwickelt, umgesetzt und getestet. Dieses verbindet eine Photovoltaik-Anlage, eine Ladesäule und ein Elektroauto miteinander. Eine eigens entwickelte App ermöglicht es, auf die Ladesteuerung einzuwirken und ein nutzerfreundliches e-Reichweitenrouting zu nutzen“, erläuterte Lucke. Der Industriepartner John Deere hat mit einem Mild-Hybrid-Traktor die Elektromobilität in ihr Geschäftsfeld integriert und deren Einsatzmöglichkeiten für eine nachhaltige Energieversorgung im ländlichen Raum analysiert und erprobt. Durch dieses Smart-Farm-System werden in Zukunft auch weitere Anwendungsszenarien, wie z.B. Lastmanagement oder Eigenverbrauchsoptimierung in der Landwirtschaft möglich.

Werner Linnenbrink, Leiter Verkehrsangebot bei den Stadtwerken Osnabrück, vertrat die Sicht des ÖPNV. „Wir haben einen zwölf Meter langen Elektrobus in unseren Linienbetrieb eingebunden und sind damit 50.000 Kilometer gefahren – ohne nennenswerte Probleme. Ergänzend haben wir CarSharing mit Elektroautos aufgebaut. Die Ladestationen liegen in unmittelbarer Nähe zu zentralen Bushaltestellen, sodass sich die verschiedenen Verkehrsmittel optimal ergänzen. Eine App ermöglicht die einfache Routenplanung und Buchung der E-Autos.“ CarSharing spielte auch im Allgäu und auf Sylt eine wichtige Rolle: An beiden Standorten nutzten zahlreiche Touristen das Angebot, ihre Ausflüge mit Elektroautos zu machen. In Kempten gab es zudem Feldversuche mit verschiedenen Zielgruppen wie Studenten, Schulklassen und Fahrschulen bzw. –trainings in Verbindung mit CarSharing.

Für die beteiligten Forschungsinstitute sprach Professor Andreas Rupp von der Hochschule Kempten. Bei ihm liefen die Daten der im gesamten Forschungsprojekt genutzten Fahrzeuge zur Auswertung zusammen. Eine wesentliche Erkenntnis: Fahrerinnen und Fahrer lernen in den ersten Tagen, in denen sie ein E-Auto nutzen, mit der beschränkten Reichweite umzugehen, und trauen sich schnell, diese auch auszunutzen. „Insbesondere bei fest planbaren Routen wird die Kapazität der Batterien gezielt und nahezu optimal ausgenutzt. Ebenso zeigen sich deutlich die unterschiedlichen Ladephilosophien der Nutzer je nach der angebotenen Ladeinfrastruktur und dem Nutzungsszenario“, so Rupp. „Wertet man aus, wie sich der Strombedarf abhängig von der Batteriekapazität über den Tag verteilt, lassen sich daraus Anforderungen an eine intelligente Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeugflotten ableiten“ betonte Rupp den konkreten Nutzen der Analysen. Sämtliche in „econnect Germany“ erhobenen Daten wurden in einer eigens entwickelten E-Mobil-Datenbank zusammen mit denen anderer Projekte gesammelt und stehen für weitere Fragen und Analysen auch zukünftig zur Verfügung.

Als Vertreter der beteiligten Industrieunternehmen bewertete Peter Kellendonk, Gesellschafter der Kellendonk-Gruppe und erster Vorsitzender der EEBus-Initiative, die Bedeutung des Forschungsprojekts für die Industrie und betonte vor allem den Nutzen für die nötige Standardisierung beim Thema Elektromobilität. „Der Treibstoff des Elektrofahrzeugs besteht aus Strom und Informationen. Werden letztere nicht standardisiert, wird sich keine flächendeckende Elektromobilität durchsetzen. Aber: ohne Praxiserfahrung würde jede Standardisierungsinitiative ins Leere laufen, da sie am realen Anwendungsfall vorbeiginge“, konstatierte Kellendonk und zog das Fazit: „Wie anders als in solchen Projekten kann der Spagat zwischen Komplexität und nachvollziehbaren Regeln erreicht werden?“

Abschließend gab das Ministerium einen kurzen Ausblick auf die weitere Forschungsförderung durch das BMWi im Förderprogramm „IKT für Elektromobilität III“. Die an „econnect Germany“ beteiligten Partner werden ihre Arbeit weiterführen. Sie möchten damit die erfolgreiche Kooperation fortsetzen und Anwendungen aus den unterschiedlichen Domänen enger miteinander verknüpfen.

 

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